Das zur Zeit geltende Recht
Nachfolgend finden Sie das deutsche Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (umgangssprachlich auch Stempelgesetz genannt) in seiner aktuellen Form. Bemerkenswert: jeder kann Schmuck mit einem Feingehaltstempel versehen.
Eine gesetzliche Regelung zur Punzierung von Schmuck und Gerät aus Platin- und Palladiumlegierungen gibt es in Deutschland nicht. Darüber hinaus kann bei Schmuck jeder Feingehalt gestempelt werden. Eine Verpflichtung zur Stempelung besteht nicht – sie ist fakultativ! Wenn sie aber erfolgt, so muß sie nach den folgenden gesetzlichen Bestimmungen erfolgen.
7142-1
Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren
Mit den Änderungen vom 24.03.1934 (BGBl. S. 240), 24.05.1968 (BGBl. S. 503), 02.03.1974 (BGBl. S. 469), 12.03.1976 (BGBl. S. 513), 10.11.2001 (BGBl. S. 2992, 2997) und Artikel 9 des Gesetzes vom 25. April 2007 (BGBl. I S. 594)
Vom 16. Juli 1884
Reichsgesetzbl. S. 120
(BGBl. III 7142-1)
§ 1 [Feingehalt]
Gold- und Silberwaren dürfen zu jedem Feingehalt angefertigt und feilgehalten werden. Die Angabe des Feingehalts auf denselben ist nur nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen gestattet.
§ 2 [Angabe des Feingehalts auf Geräten]
(1) Auf goldenen Geräten darf der Feingehalt nur in 585 oder mehr Tausendteilen, auf silbernen Geräten nur in 800 oder mehr Tausendteilen angegeben werden.
(2) Der wirkliche Feingehalt darf weder im Ganzen der Ware noch auch in deren einzelnen Bestandteilen bei goldenen Geräten mehr als fünf, bei silbernen Geräten mehr als acht Tausendteile unter dem angegebenen Feingehalt bleiben. Vorbehaltlich dieser Abweichung muß der Gegenstand im Ganzen und mit der Lötung eingeschmolzen den angegebenen Feingehalt haben.
§ 3 [Stempelzeichen]
Die Angabe des Feingehalts auf goldenen und silbernen Geräten geschieht durch ein Stempelzeichen, welches die Zahl der Tausendteile und die Firma des Geschäfts, für welches die Stempelung bewirkt ist, kenntlich macht. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die Form des Stempelzeichens zu bestimmen.
§ 4 [Uhrgehäuse]
Goldene und silberne Uhrgehäuse unterliegen den Bestimmungen des § 2 Abs. 2 und des § 5 Abs. 1 und 3.
§ 5 [Stempelung von Schmucksachen]
(1) Schmucksachen von Gold und Silber dürfen in jedem Feingehalt gestempelt werden und ist in diesem Falle der letztere in Tausendteilen anzugeben.
(2) Die Fehlergrenze darf zehn Tausendteile nicht überschreiten, wenn der Gegenstand im ganzen eingeschmolzen wird.
(3) Das gemäß § 3 bestimmte Stempelzeichen darf auf Schmucksachen von Gold und Silber nicht angebracht werden.
§ 6 [Eingeführte Gold- und Silberwaren]
Aus dem Ausland eingeführte Gold– und Silberwaren, deren Feingehalt durch eine diesem Gesetz nicht entsprechende Bezeichnung angegeben ist, dürfen nur dann feilgehalten werden, wenn sie außerdem mit einem Stempelzeichen nach Maßgabe dieses Gesetzes versehen sind.
§ 7 [Haftung für die Richtigkeit des angegebenen Feingehalts]
Für die Richtigkeit des angegebenen Feingehalts haftet der Verkäufer der Ware. Ist deren Stempelung im Inland erfolgt, so haftet gleich dem Verkäufer der Inhaber des Geschäfts, für welches die Stempelung erfolgt ist.
§ 8 [Mit anderen metallischen Stoffen ausgefüllte Gold- und Silberwaren]
(1) Auf Gold- und Silberwaren, welche mit anderen metallischen Stoffen ausgefüllt sind, darf der Feingehalt nicht angegeben werden.
(2) Dasselbe gilt von Gold- und Silberwaren, mit welchen aus anderen Metallen bestehende Verstärkungsvorrichtungen metallisch verbunden sind.
(3) Bei der Ermittlung des Feingehalts bleiben alle von dem zu stempelnden Metall verschiedenen, äußerlich als solche erkennbaren Metalle außer Betracht, welche:
- zur Verziehrung der Ware dienen;
- zur Herstellung mechanischer Vorrichtungen erforderlich sind;
- als Verstärkungsvorrichtungen ohne metallische Verbindung sich darstellen.
§ 9 [Ordnungswidrigkeiten]
(1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig
- Gold- oder Silberwaren, welche nach diesem Gesetz mit einer Angabe des Feingehalts nicht versehen sein dürfen, mit einer solchen Angabe versieht;
- Gold- oder Silberwaren, welche nach diesem Gesetz mit einer Angabe des Feingehalts versehen sein dürfen, mit einer anderen, als nach diesem Gesetz zulässigen Feingehaltsangabe versieht;
- Gold- oder silberähnliche Waren mit einem durch dieses Gesetz vorgesehenem Stempelzeichen oder mit einem Stempelzeichen versieht, welches nach diesem Gesetz als Feingehaltsbezeichnung für Gold- und Silberwaren nicht zulässig ist;
- Waren feilhält, welche mit einer gegen die Bestimmungen dieses Gesetzes verstoßenden Bezeichnung versehen sind.
(2) Die Vorschriften des Absatzes 1 Nr. 3 und 4 gelten nicht für versilberte Bestecke und andere Tafelgräte, die mit einem die Niederschlagsmenge des Feinsilbers angebenden Zahlenstempel versehen werden.
(3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet werden.
(4) Gegenstände, auf die sich diese Ordnungswidrigkeit bezieht, können eingezogen werden.
§ 10 [Inkrafttreten]
Dieses Gesetz tritt am 1. Januar 1888 in Kraft. An demselben Tage treten alle landesrechtlichen Bestimmungen über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren außer Kraft.
7142-1-1
Bekanntmachung betreffend die Bestimmung der Form des Stempelzeichens zur Angabe des Feingehalts auf goldenen und silbernen Geräten
Vom 7. Januar 1886
Reichsgesetzbl. S. 1, verk. am 10.1.1886
Auf Grund des § 3 des Gesetzes über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren vom 16. Juli 1884 (Reichsgesetzbl. S. 120) hat der Bundesrat folgende Bestimmung getroffen:*
Das Stempelzeichen für die Gold- und Silbergeräte muß enthalten:
- die Reichskrone
- das Sonnenzeichen
für Gold oder das Mondsichelzeichen
für Silber, - die Angabe des Feingehalts in Tausendteilen und
- *die Firma oder die in Gemäßheit des Gesetzes vom 30. November 1874 eingetragene Schutzmarke des Geschäfts, für welches die Stempelung bewirkt ist.
Die Krone muß
bei Goldgeräten in dem Sonnenzeichen
,
bei Silbergeräten rechts neben dem Mondsichelzeichen ![]()
sich befinden.
Gold
Silber 
Nr. 4 Kursivdruck: Jetzt des Warenzeichengesetzes vom 18. Juli 1953; WZG 423-1